SpieltischDas kleine Einmaleins der Flüsse

Was sind Flüsse?

Flüsse sind das Entwässerungssystem der Natur. Wenn es regnet, fliesst das Wasser in kleinen Rinnsalen hangabwärts oder sprudelt in unterirdischen Wasserläufen aus Quellen hervor und vereinigt sich mit anderen Rinnsalen zu einem Bach, der dann mit anderen Bächen zusammentrifft und einen Fluss bildet, der wiederum von vielen kleinen Nebenflüssen gespeist wird und irgendwann im Meer mündet.

Ein Fluss, der das Meer aufgrund geografischer Widrigkeiten wie beispielsweise einer Talmulde oder einer Hügelkette nicht erreichen kann, verwandelt sich in einen See. Erreicht ein See seinen Höchststand, kann das Wasser weiter ablaufen und seinen Weg in Richtung Meer fortsetzen. Ein See hat immer höchstens einen Ablauf. Manche Seen haben keinen erkennbaren Ablauf, etwa weil der Wasserstand durch Verdunstung gleichmäßig konstant gehalten wird oder umliegende Wälder einen großen Teil des Wassers für sich beanspruchen.

Flüsse gibt es überall da, wo das Klima für eine ausreichende Niederschlagsmenge sorgt. In arktischen und sehr trockenen Gefilden gibt es keine Flüsse. In manchen Regionen gibt es kleine Bäche oder trockene Flussbetten, die saisonal zu reissenden Flüssen heranwachsen – etwa, weil Monsunregen einsetzt oder Gletschereis schmilzt.

Für den Menschen gehören Flüsse seit jeher zum Leben dazu. Sie sind Kommunikations- und Transportweg, Handelsstrasse und Wirtschaftsader. Sie spenden lebenswichtiges Trinkwasser und sind doch gleichzeitig Entsorgungsdienstleister und Abfallbeseitiger. Flüsse prägen das Antlitz der Dörfer und Städte, tragen bei zur Ausdehnung und Abgrenzung von Staaten und Königreichen und stellen oftmals den Mittelpunkt kultureller Ballungszentren dar. Mäander beschreiben die geschwungenen, oft im Zickzackkurs verlaufenden Flusswege. Sie kommen überwiegend im Oberlauf vor und nehmen ab, je näher ein Fluss dem Meer kommt. Unterirdisch fliessende Wasserläufe kommen häufig in Kalksteinregionen vor. Sie können enge, schmale Röhren und labyrinthartige Höhlensysteme entstehen lassen, aber auch gewaltige Wasserfallschächte und faszinierende Unterwasser-Wunderwelten.

Wie sehen Flüsse aus?

Scharfe, gezackte Verläufe kommen in der Natur normalerweise nicht vor. Flusswasser führt immer eine gewisse Menge Sediment mit, die dazu führt, dass starke Errosionskräfte auf die Flussufer einwirken. Scharfkantige Ecken werden vom Wasser einfach abgetragen – egal, ob es sich dabei um moosbewachsene Erde oder steinharten Fels handelt.

Im Oberlauf ist die Strömung stark und das Gefälle in aller Regel steil. Der Fluss ist schmal, windet sich kreuz und quer durch die Landschaft und wird von zahlreichen kleinen Bächen gespeist. Stromschnellen und kleine Wasserfälle sind häufige Begleiterscheinung. Die Fließgeschwindigkeit und die Menge des mitgeführten Wassers hängen von der Niederschlagsmenge ab und unterliegen jahreszeitlichen Schwankungen. Überschwemmungen sind die Regel, wenn es im Frühjahr zur Schneeschmelze kommt.

Im Unterlauf behält ein Fluss für gewöhnlich eine gleichbleibende Fließgeschwindigkeit bei und hat ein geringeres Gefälle. Er kann schnurstracks ins Meer fliessen oder ausufernde, mäandernde Spaziergänge durch die Landschaft machen, er kann von See zu See oder parallel zu anderen Flüssen fliessen, sich in zahlreiche Arme aufadern und dabei atemberaubende Auenlandschaften zeichnen, sich mit donnernder Wucht gewaltige Schluchten herabstürzen oder leise säuselnd in Felsspalten versickern, und er kann bizarre Skulpturen aus dem Fels hauen, kilometerlange Höhlensysteme auswaschen und tiefe Canyons in den Fels fräsen.

Es gibt keinen Fluss, der von einem Meer in ein anderes fliesst. Alle Meere und Ozeane befinden sich auf einer Höhe – dem Meeresspiegel. Ein Fluss braucht aber ein Gefälle, um zu fliessen. Bei einem Verbindungsweg zwischen zwei Meeren handelt es sich also entweder um einen künstlich angelegten Kanal oder einen Engpass zwischen zwei Landmassen – nicht um einen Fluss.

Die Wasserfarbe ist meistens klar. Bei hohem Schlamm-, Kupfer-, Schwefel- oder Algenanteil kann ein Fluss über kurze Strecke auch braune, rote, gelbe oder grüne Farbe annehmen. Kleine Info am Rande: Ein Fünftel des Wassers, das auf unserer Erde durch Flüsse ins Meer gelangt, stammt aus dem Amazonas. Er ist 6430 Kilometer lang und bis zu 16 Kilometer breit. Stündlich strömen bis zu 770 Milliarden Liter Wasser in den Atlantik. Damit ist der Amazonas der wasserreichste Fluss der Erde. Der längste Fluss ist der Nil. Er ist 6640 Kilometer lang.

Kann sich ein Fluss teilen?

Jain. Wenn die Strömung schwächer, der Fluss breiter oder flacher und das Gefälle geringer wird, kann sich Sediment ablagern und Sandbänke und kleine Inseln formen. Im Laufe der Zeit kann daraus festes Uferwerk werden. Sollte der Fluss seine neugeschaffenen Ufer nicht bald wieder fortreissen, wird er sich womöglich aufteilen. Sobald aber eine Rinne auf ein Hindernis stößt und die andere Rinne munter weiterfliesst, wird der Nebenarm durch mitgebrachtes Sediment irgendwann versanden.

Auen und kleine Seenlandschaften entstehen auf diese Weise und sind dabei starkem Wandel unterzogen. Bäche und Flüsse können ihren Lauf schon bei der nächsten Überschwemmung für viele Jahre ändern. Für gewöhnlich findet das Wasser aber bei steiler werdendem Gefälle wieder zusammen und fliesst so weiter, als wäre nichts gewesen. Im Endeffekt wird ein Fluss immer den Weg des geringsten Widerstandes wählen.

In Küstennähe kommt es dagegen häufig zu einer solchen Flussverästelung, wenn das Wasser vom Wellengang wieder zurückgedrängt wird oder Süßwasser mit einigem Widerstand auf Salzwasser trifft. Solche Flussdeltas können sich über hunderte Kilometer und auf breiter Fläche ins Landesinnere erstrecken. Schwache Strömung und geringes Gefälle begünstigen die Entstehung von Deltas. Zusammengefasst: Ein Fluss entspringt einer Gebirgsquelle, einem See oder einem Gletscher. Er fliesst stets dem Meer oder einem See entgegen, bildet in der Regel keine Nebenarme und wird umso breiter oder tiefer, je mehr Zuflüsse er hat. Je näher ein Fluss dem Meer kommt, umso weniger stark mäandert er. In Küstennähe kann er sich zu vielarmigen Deltas auffächern. Seen entstehen in Talmulden und können von zahllosen Flüssen und Bächen gespeist werden. Sie haben höchstens einen erkennbaren Abfluss.

Flüsse in Karten

In historischen Karten können Flüsse auf vielfältige Weise eingezeichnet sein. Die genaue Darstellung eines Flusses inklusive all seiner Zuflüsse kommt eher selten vor und wenn, dann meist in regionalen Karten mit geringem Maßstab. Bei größerem Maßstab beschränkt sich die Darstellung oft auf die größten oder wirtschaftlich bedeutendsten Flüsse. In Weltkarten werden Flüsse manchmal in geschlängelter Form stilisiert, ganz gleich, ob der Verlauf eigentlich ein anderer ist. Auf Seekarten sind meist nur die Flussmündungen mit einem kurzen Verlauf zu sehen, der im Landesinneren aprupt endet.