Völker

Man findet sein eigenes Leben gleich viel schöner, wenn man aufhört, es mit dem Leben der Leute von nebenan zu vergleichen.Burlonnire Rattenkönig, Beutelschneider

Riesenvölker

Als Maurarchor noch in voller Blüte stand, zeigten die Raundarroch wenig Interesse an Caeruin. Und doch war das Land reich an Bodenschätzen, die die Gier einzelner Unternehmen weckte. Die Ureinwohner Caeruins waren die Goldhünen und die Troggen, zwei verwandte Riesenvölker, die auf Caeruin seit jeher um die Vorherrschaft stritten. Die Goldhünen galten als beherztes und edelmütiges Volk und sie waren in ihrer Zahl den Troggen ebenbürtig. Das edle Volk der Goldhünen vereitelte oftmals die wenigen Versuche der Raundarroch, Außenposten auf Caeruin zu befestigen und dauerhaft zu unterhalten, indem sie Flüsse stauten, was zu Überschwemmungen führte, oder Befestigungsanlagen untergruben, was die Raundarroch zur Aufgabe ihrer Behausungen zwang. Einer direkten Konfrontation gingen die Goldhünen jedoch aus weisen Entschlüssen aus dem Weg, wenn sie den Raundarroch körperlich auch bei weitem überlegen waren. Sie waren ein friedfertiges Volk, daß die Natur und das Leben achtete.

Die Troggen hingegen galten als primitiv und grobschlächtig und versteckten sich tagsüber in Erdhügeln, da sie das Sonnenlicht scheuten und sich ihrer eigenen Gestalt grämten. Unter ihresgleichen fanden sich nur wenige, die der Rolle eines Anführeres gerecht wurden. Doch es gab eine, die Mallaugrach genannt wurde, die diesem Bild entsprach. Es trug sich zu, daß Gesandte der Raundarroch mit finsteren Hintergedanken an sie herantraten, um sie in der Ausübung der magischen Künste zu unterweisen. Wohlweißlich zeigten sie ihr nichts, was ihnen selber einmal hätte gefährlich werden können. Sie hätten es vermutlich nicht einmal Magie genannt, Zaubertricks vielleicht. Doch es sollte schließlich ausreichen, dass Mallaugrach nur wenige Jahre später alle Troggen einte und in großer Zahl gegen die Goldhünen führte. In dieser Schlacht verloren die meisten Ureinwohner Caeruins ihr Leben. Die prachtvollen Höhlenanlagen, die von den Goldhünen bewohnt wurden, verwaisten. Die Erdlöcher der Troggen verschwanden. Die wenigen überlebenden Troggen dieser Schlacht, die später „Staubschlacht“ genannt wurde, flohen in die Finstersteppe. Die Klans der Goldhünen, die aus ihren Höhlenbauten vertrieben wurden, suchten ihr Heil in den dichten Wäldern Llargomors.

Ihr Plan war aufgegangen. Die Raundarroch hatten den Weg geebnet für die wirtschaftliche Erschließung Caeruins. Sie mussten nicht mehr fürchten, daß ihre Unternehmungen sabotiert würden. Heute leben die letzten Angehörigen der beiden Riesenvölker versprengt über ganz Caeruin, hauptsächlich in den südlichen Gefilden, wo sie vereinzelt von brutalen Jagdgesellschaften gehetzt werden, die ihrer morbiden Mordlust dabei freien Lauf lassen.

Kalrach

Die Kalrach sind Kreaturen vom schwarzen Land, geboren in der steinernen Wüste von Dullshagh. Ein Inselreich weitab vom Festland Caeruins in den südlichen Gefilden des Meeres der Zeit zwischen den Tausend Tränen von Durnai. Sie verfügen über lederne Schwingen, die ihnen erlauben, kurze Distanzen fliegend zu überwinden. Einstmals konnten die Kalrach fliegen, so weit der Wind sie tragen konnte, doch im Laufe der Generationen hat sich ihre Fähigkeit des Fliegens nach und nach zurückgebildet und die einstmals prachtvollen Schwingen verwandelten sich in runzlige, verstümmelte Flügel. Ihre obsidianfarbene, muskelbepackte Haut bietet ihnen hervorragenden Schutz vor allerlei Gefahren, insbesondere vor Angriffen mit spitzen Waffen, Krallen und Zähnen. Ihre einzigartige Physiognomie hat sich dahingehend entwickelt, dass die Kalrach tagsüber ruhen und nächtens aktiv werden. Während der Ruhephase legen die Kalrach ihre breiten Flügel über der Brust zusammen. Wenn die Sonne dann herauskommt, sorgen die Sonnenstrahlen dafür, dass die Kalrach zu Stein erstarren. In dieser Form sind sie vor allen Angriffen gefeit und können auch nicht von der Stelle bewegt werden. Sie sind allerdings nicht mehr dazu fähig, auf ihre Umwelt zu reagieren oder sich selbstständig aus ihrer Erstarrung zu lösen.

Seeren und Halbwesen

Die Seeren sind Kreaturen, die die Umarmung des Todes nicht hat halten können und die zurückgekehrt sind in die Welt der Sterblichen, Rache zu üben und ihre Bestimmung zu erfüllen. Ihre seidig schimmernde, hellblaue Haut ist höchst feuerempfindlich und lässt an mancher Stelle ihre alten, vergilbten Knochen durchscheinen. In den tiefschwarzen Augen der Seeren befindet sich an der Stelle, an der normalerweise die Pupille ist, ein golden glühendes Licht.

Jene Geschöpfe, die weder tot noch lebendig sind, werden Halbwesen genannt. Ihre Erscheinung ist die eines Menschen, doch werfen sie niemals einen Schatten oder spiegeln sich in irgendwelchen Oberflächen. Einzig die vom Mondlicht beschienene Wasseroberfläche eines fließenden Gewässers zeigt ihr Spiegelbild. Das Spiegelbild einer verzerrten Kreatur, deren Anblick jedem Beobachter das Blut in den Adern gefrieren lassen würde.

Dschinne

Zerklüftete und viele Meter hohe Eisberge säumen die Küsten der nördlichen Region, die Winterfels oder Chylacian genannt wird. Treibendes Schelfeis und hölzerne Überreste vermisster Schiffe gehen ineinander über und bilden einen Wall rings um die tosenden Wellen, der das Land vor jedweder Art wirtschaftlicher Erschließung schützt. Ein Königreich einer weitestgehend unbekannten Zivilisation verbirgt sich in den kalten Kronen der Berge, die diesem Land zu seinem Namen verholfen haben. Kaum jemand begibt sich freiwillig in den eisigen Norden, jedenfalls nicht ohne einen verdammt hohen Lohn dafür in Aussicht gestellt zu bekommen. Die Bewohner dieses frostigen Lebensraums sind die Dschinne. Nachfahren der Raundaroch, deren Blutlinie auf einen Halbwyrm namens Ghucchlacc zurückgeführt werden kann. Ein Dschjn ist der Kälte gegenüber fast unempfindlich und hat eine sternförmige Iris. Die Dschjnne sehen sich selbst als Beobachter, die ihre eigene Existenz geheim zu halten versuchen.

Pirilar

Die Pirilar sind Geschöpfe von grüner oder brauner Hautfarbe. Ihre Gesichtsmerkmale weisen die Beschaffenheit eines Blattes auf. Feine Kapillaren laufen kleinen Äderchen gleich an ihren breiten Backen entlang. Ihre Ohren sind ziemlich groß und laufen in spitzem Winkel von ihrer Stirn ab. Die großen, hellen Augen liegen in tiefen Höhlen, das Maul ist gespickt mit zwei hintereinander liegenden Reihen kleiner, scharfer Zähne – insgesamt einige hundert. Interessant ist vor allem die Tatsache, dass die Pirilar aufgrund ihrer pflanzlichen Ursprünge über zwei Möglichkeiten der Atmung verfügen. Sie können sowohl durch Nase und Mund über ihre Lunge atmen als auch durch die Photosynthese, die es ihnen ermöglicht, den Sauerstoff aus der Luft heraus zu filtern. Ein besonderes Augenmerk sollte auf die Fortpflanzung dieser Kreaturen geworfen werden. Die Pirilar sind ungeschlechtlich und benötigen zur Fortpflanzung keinen Partner. Die Pirilar durchlaufen mehrere Stadien der Verpuppung. Ein Pirilar verpuppt sich zum ersten Mal mit etwa sechs Jahren, was bereits einem menschlichen Alter von ungefähr 15 Jähren entspricht. Er gräbt sich in die Erde ein, möglichst an einem geschützten Ort, und sondert dann ein Sekret ab, was in Verbindung mit feuchter Erde sofort korrodiert und einen schützenden Kokon um den jungen Pirilar bildet. In diesem Kokon wachsen die Organe zur Fortpflanzung heran. Außerdem wandelt sich die vormals gräuliche Hautfarbe in ein mattes Grün. Der ganze Vorgang nimmt in etwa eine Zeit von vier Monaten in Anspruch.

Die zweite Phase der Verpuppung ereilt den Pirilar mit etwa 14 Jahren. Während dieser Zeit entwickelt der Pirilar unter Umständen in seinem Kokon einen Ableger, der sich unabhängig von ihm entwickelt. Wenn der erwachsene Pirilar sich ausgräbt, wächst sein Ableger im Kokon weiter heran und braucht ungefähr drei weitere Monate, bis er schlüpfen kann. Die Färbung der Haut des erwachsenen Pirilar hat sich währenddessen von einem Grün ins Braungrüne geändert. Die dritte Phase ereilt den Pirilar mit 25 bis 30 Jahren. Auch in dieser Phase besteht wieder die Möglichkeit, dass der Pirilar einen Ableger von sich entwickelt. Zudem wachsen ihm deutlich mehr Muskeln und ein kurzer Flügelansatz, der allerdings noch kaum ausgebildet ist und bisher nur bei wenigen Pirilar voll ausgebildet gesehen werden konnte.

Die vierte Phase der Verpuppung und zugleich die letzte ereilt nur wenige Pirilar und ist nicht vom Alter abhängig. Je nach körperlicher und geistiger Ertüchtigung kann irgendwann die Zeit kommen, dass der Pirilar den starken Drang verspürt, sich zurückzuziehen und sein Kokon zu spinnen. Ist dieser Zeitpunkt erreicht, wachsen ihm prächtige Flügel. Seine Haut nimmt eine schwarze Färbung an, seine Kopfform wölbt sich an der Stirn zu einem sehnigen Horn und seine Stärke nimmt deutlich zu. Pirilar benötigen viel Wasser und können sehr alt werden.

Zwerge

Die Zwerge sind ein eigenes Volk kleinwüchsiger Menschen, die vor langer Zeit von den Menschen aus ihrer Mitte ausgeschlossen wurden. Verderbte Magie, fehlgelaufene magische Experimente und daraus resultierende Krankheiten führten zu dieser Subkultur des Menschen. Die genauen Ursprünge sind heute nur noch in den verschollenen Bibliotheken der Raundarroch beschrieben, jenes legendären Urvolks, welches über die Gabe der Voraussicht verfügte. Diese Bibliotheken hat jedoch kein Sterblicher mehr seit viertausend Jahren betreten. Bei den ersten Zwergen setzte in der Regel zwischen dem achten und zwölften Lebensjahr ein Wachstumsstopp ein, das Rückgrat verkümmerte in den darauf folgenden Jahren und der Rücken krümmte sich zu einem Buckel. Zwerge neigen dazu, Fett anzusetzen und in die Breite zu gehen. Ihr Haarwuchs beschleunigt sich und begünstigt dadurch die Entstehung langer Bärte, die in der Kultur der Zwerge noch eine lange Tradition bekommen sollte.

Viele Zwerge führten niedere, schwere Arbeiten aus oder leisteten Kriegsdienst, weil sie im beruflichen Umfeld keinen Fuß fassen konnten oder von ihren menschlichen Mitbewerbern ausgestochen wurden. Die Menschen standen gesellschaftlich weit über den Zwergen und ließen diese das auch völlig unverhohlen wissen. In dieser Zeit schlossen sich vermehrt Zwerge zu sogenannten Klans zusammen, meist bestehend aus allen Zwergen der näheren Umgebung, um wenigstens untereinander in Würde miteinander zu leben. Diese zwerigschen Dörfer, manchmal bewohnten sie auch ein Stadtviertel in einer größeren Stadt, waren den Menschen jedoch ein Dorn im Auge. Diese beobachteten mit Argwohn, wie immer mehr Zwergenklans aus dem Boden sprossen, und fürchteten schon eine landesweite Revolte. Den Zwergen wurden nach zahllosen Dekreten und Bestimmungen nach und nach weniger Rechte einberäumt. Iirgendwann war es dann soweit, dass Zwerge ihre Dörfer oder Viertel nur noch mit Arbeits- oder Militärgenehmigung verlassen durften. Das wollten viele Zwerge nicht auf sich sitzen lassen und so verließen sie in den darauf folgenden Jahren die Länder, in denen sie so lange Zeit Geächtete waren, und gründeten in den verwundenen Schluchten, Tälern und Gebirgen Morkedluins ihr eigenes Reich.

Aufgrund der Tatsache, dass sie sehr lange Zeit zu harter Arbeit unter unwirtlichen Bedingungen gezwungen waren, waren sie in der Errichtung ihres eigenen Reichs sehr fleißig und im Umgang mit Handwerksgeräten aller Art bestens vertraut. Sie scheuten die schwere Arbeit nicht und kurzum standen überall im Gebirge gewaltige Türme und Festen, die die umliegenden Täler überblicken und dank großer, stehender Heere auch vor möglichen Gefahren verteidigen konnten. Zu den Menschen besteht seit jeher ein kühles, nahezu feindschaftliches Verhältnis.

Die Menschen sahen sich binnen kürzester Zeit mit den technischen Errungenschaften konfrontiert, die die Zwerge in rascher Folge entwickelten. Darunter so großartige Erzeugnisse wie die Dampfmaschine, Hochöfen und elektrisches Licht. Ihre einfachen Waffen waren von so herausragender Qualität, dass sich die Zwerge schon bald einen hervorragenden Ruf als Schmiede und Tüftler erarbeiteten. Die Menschen brachten den Zwergen ihre Geschenke dar, um wieder gut zu machen, was sie ihnen über so lange Jahre hinweg antaten. Doch die Zwerge konnten die bittere Schmach der Knechtschaft nicht so einfach abschütteln und handeln daher seither nur mit wenigen, ausgewählten Königshäusern, verlangen für ihre außergewöhnliche Qualitätsware aber horrende Preise.

Elbanin

Die Menschen auf Caeruin erzählen sich Geschichten über mystische Wesen, die den Himmel bereisen und ihm sogar entstiegen sein sollen. Manchenorts sind diese Geschichten so lebendig, dass sie fremden Reisenden unwillkürlich als Volksmärchen erscheinen müssen. Doch so beharrlich, wie sich die Gerüchte um ein Luftvolk in weiten Teilen Caeruins halten, halten sich auch die Augenzeugenberichte, die immer wieder von Wesen in seltsamen Flugapparaturen berichten, die auf die Erde herabkommen und Steine, Erde und Wasser in ihren riesigen durchsichtigen Geräten mit in die Lüfte nehmen. Oft hört man auch, wie knapp Augenzeugen den Begegnungen mit dem Luftvolk nur entkommen sein sollen. Sollte es sie wirklich geben, sorgen sie jedenfalls mit größter Effizienz dafür, dass ihre Existenz nicht viel mehr als eine Legende bleibt.

Den bedeutendsten Beweis für die tatsächliche Existenz des Luftvolkes beweist ein Dokument aus lange vergangenen Tagen, dass dank magischer Aufbereitung wieder einigermaßen leserlich gemacht werden konnte. Demzufolge ist dieses Luftvolk, welches in besagtem Dokument als Elbanin bezeichnet wird, der letzte Rest einer Kultur, die vor Äonen den Planeten beherrscht und technisiert hat. Als ein Unglück Llandt heimsuchte, wurde diese Kultur vernichtet und nur die wenigen, sich auf schwebenden Gebilden außerhalb der llandtanischen Atmosphäre befindlichen Wesen überlebten.

Heute leben die Elbanin auf dem 2. Mond LLandts, Belth. Sie errichteten dort unterirdische Bunkeranlagen, die sie vor der kosmischen Strahlung und gefährlichen Partikeln schützen. Ihre Flugapparaturen bestehen aus Metalllegierungen, die auf Caeruin unbekannt sind. Sie werden angetrieben durch die Verbrennung chemischer Stoffe, die große Mengen Energie bei ihrer Verbrennung freisetzen. Diese chemischen Stoffe werden auf Belth gewonnen, wo die Elbanin gewaltige Minen betreiben.

Die Elbanin tauchen immer in dicken, weißen Schutzkleidungen auf, so dass von ihrer eigentlichen Wesenart nichts zu erkennen ist. Sie sind die letzten Nachfahren der Raundarroch.